8:8 gegen Erfurt im Abstiegskrimi. Erste Herren bleibt im Rennen.

Befreiungsschlag im Abstiegskampf

Am zurückliegenden Wochenende stand für uns samstags das entscheidende Auswärtsspiel um den Relegationsplatz an und sonntags das Heimspiel gegen Magdeburg. Die Tabellensituation lässt sich relativ leicht beschreiben: mit einem mageren Pünktchen Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz gingen wir in das „Wochenende der Wahrheit“. Ich selbst hatte nun nach meiner langen verletzungsbedingten Pause sechs Wochen lang behutsam auf dieses Wochenende hin trainiert, um in diesem wichtigen Spiel gegen Erfurt meinem Team eine Hilfe sein zu können. Immer wieder musste ich kleine Trainingspausen einlegen und Rückschläge wegstecken. Als ich dann am Dienstag der entscheidenden Woche zwar körperlich fit aber mit unterirdischer Trainingsleistung aufwartete war ich frustriert und wirklich ziemlich verunsichert. Meine letzte Einheit am Donnerstag lief zwar sportlich deutlich besser, dafür konnte ich Freitag morgen nicht mal mehr einen Stift halten – Eine schmerzhafte Reizung im Ellenbogen drohte mich nun kurz vor dem Spiel doch noch auszuknocken. Was soll ich sagen? Ich werde eben alt. Doch das Aufbautraining der letzten Wochen durfte nicht umsonst sein. Also behandelte ich meinen Ellenbogen mit allen möglichen Tricks und stellte ihn bis zum Spiel komplett ruhig. Beim Einspielen in Erfurt war ich dann auch beinahe schmerzfrei – es konnte also doch losgehen. Verzeiht mir diesen ziemlich Gregor-zentrischen Mittelteil – es wollte mal raus…

Nach langem Hin und Her hatten wir uns zum Wochenende auf eine Aufstellungsvariante festgelegt. Paul sollte im Einzel pausieren und Robert im Doppel. Eigentlich wäre es wohl cleverer gewesen, die eingespielten Doppel auflaufen zu lassen und mich nur im Einzel ran zulassen, aber nach fünfmonatiger Spielpause, hatte ich das Gefühl dieses Doppel unbedingt zum reinkommen zu benötigen. Bereits in den Doppeln zeigte sich, dass sich beide Mannschaften nichts schenken wollten und es gab einen deutlichen Vorgeschmack auf eine ziemlich intensiv geführte Partie. Henne und Timo hatten riesige Probleme mit den Erfurter Youngstern Franke und Neudeck. Nach 1:2 Satzrückstand gewannen sie schließlich hauchdünn mit 14:12 im Entscheidungssatz. Bemerkenswert wie Timo in wichtigen Phasen den etwas schwächelnden Hendrik entlastete. Das Zweierdoppel mit Phil und Mulle verlor hingegen knapp im Fünften gegen Zakharov und Tresselt. Das Dreierdoppel, bestehend aus den „Oldies“ Falko und mir bekam es mit Strzakowski und Carl zu tun. Glücklicherweise konnten wir das sehr intensive Spiel ebenfalls auf zwei Punkte im fünften Satz für uns entscheiden. 2:1 Nach den Doppeln. Wichtig.

Oben hatte Henne nur zu Beginn Schwierigkeiten mit der etwas unkonventionellen Spielweise des Erfurters Strzakowski und bezwang diesen recht sicher mit 3:1. Phil hingegen hatte gegen den starken Zakharov nie wirklich eine Chance und musste dem äußerst druckvoll agierenden Russen den Sieg überlassen.

Mittig spielte Timo gar nicht so schlecht gegen Franke, der sich aber im Vergleich zum Hinspiel noch einmal deutlich verbessert zeigte. Dennoch musste Timo mit 1:3 seinem Gegenüber gratulieren. Ich konnte gegen den vorhandstarken Neudeck nach anfänglichen Schwierigkeiten meine unangenehme Spielweise durchbringen und die gegnerische Vorhand weitestgehend aus dem Spiel nehmen. 3:0 für mich und große Erleichterung, dass sich die Quälerei gelohnt hatte.

Unten setzte sich unser Glück in den knappen Spielphasen erneut durch, sodass Falko Tresselt mit 11:9 im Entscheidungssatz niederhalten konnte. Yankee wurde vom an diesem Tag wirklich bockstarken Carl förmlich überrollt und verlor mit 0:3.

Der eine Punkt Vorsprung aus den Doppeln ließ uns also mit 5:4 in die „Halbzeit“ gehen, da sich ansonsten in jedem Paarkreuz die Punkte teilten.

Henne lieferte sich wie fast immer eine extrem intensive Partie mit Zakharov, konnte aber diesmal, anders als in den Letzten Aufeinandertreffen, knapp die Nase vorn behalten. Ganz wichtig für uns, dass wir Mit Henne jemanden haben, der in den entscheidenden Partien regelmäßig für uns im unglaublich stark besetzten ersten Paarkreuz punkten kann.

Phil und Strzakowski hatten schon beim Hinspiel in Holzhausen eine „Vorgeschichte“, insofern war nicht unbedingt zu erwarten, dass die beiden nun im Rückspiel die besten Freunde werden würden. Doch anders als im Hinspiel, wo Phil einen guten Anteil daran hatte, dass sich beide Parteien angifteten, suchte diesmal vor allem Strzakowski die Konfrontation. Nachdem Phil knapp den dritten Satz gewonnen hatte und 2:1 in Führung lag, versuchte der Erfurter Zweier ganz gezielt Philipp psychologisch aus dem Konzept zu bringen und verhielt sich dabei alles andere als sportlich. Leider ging sein Konzept auf, während Phil zwar für seine Verhältnisse bemerkenswert ruhig blieb, spielte er doch einen Hauch schlechter. Seinen Gegner hingegen schien die künstlich erzeugte Erregung durchaus besser werden zu lassen. Phil verlor zwar nicht die Beherrschung, aber dafür das Spiel im fünften Satz. Schade, dass ein ansonsten von allen anderen Beteiligten absolut fair ausgetragenes Mannschaftsspiel im Abstiegskampf für derartige Mätzchen herhalten musste.

Mittig spielte ich gegen den starken Franke, der nach 0:2 Rückstand immer dominanter wurde; mich mit Aufschlag und paralleler Rückhand regelrecht einschnürrte. Spielerisch zeigte ich mich sicherlich noch etwas verunsichert und deutlich passiver als es ansonsten meine Art ist, im Kopf hingegen war ich da. Ich versuchte bei eigenem Aufschlag dran zu bleiben und hoffte darauf, dass mein Gegenüber etwas nachlassen würde. Zwar war das leider nicht der Fall, jedoch sollte mir das Glück in der entscheidenden Phase diesmal hold sein. Hatte ich beim Stand von 4:4 im Entscheidungssatz noch zwei „Glücksbälle“ „fressen“ müssen, so konnte ich dafür beim Stand von 8:9 die gegnerische Aufschlagdominanz mit einem Netzroller brechen und mir direkt im Ballwechsel danach mit einem Kantenball den Matchball erspielen. Mein extrem knapper 11:9 Erfolg war schon ziemlich glücklich – keine Frage. Timo hingegen verlor gegen Neudeck, der wenige Stunden zuvor noch den bis dato in der Mitte ungeschlagenen Zeimys die erste Saisonniederlage beigebracht hatte, mit 1:3. Timo kämpfte nach einer eher durchwachsenen Saison sichtbar mit seinem Selbstvertrauen. Doch Timos Stunde an diesem Tag sollte noch kommen…

Nun kam, was eigentlich nicht kommen sollte: wir ließen uns die knappe Führung, die sich durch die gesamte Partie für uns zog im letzten drittel des zweiten Durchgangs noch abluxen. Robert verlor mit erstaunlich passiver Vorstellung gegen den sicher spinnenden Tresselt und auch Falko konnte dem überragenden Carl an diesem Tage nichts anhaben.

7:8 vorm Entscheidungsdoppel. Alles oder nichts. Platz 8 und damit der (relativ) sichere Klassenerhalt oder Platz 9 und damit der (relativ) sichere Abstieg.

Das Abschlussdoppel lief gut an bis zum 7:1 für uns. Dann folgte Punkt auf Punkt für die Erfurter. Beim stand von 7:9 rutschten Tresselt zwei Aufschläge etwas zu lang, was Timo sofort bestrafte. Zwei weitere Punkte und der so wichtige erste Satz war auf der Habenseite. Im Zweiten Satz dann wieder eine schnelle Führung 7:2 – 10:5 – 10:8 Timeout – Netzroller zum 10:9 – kurz-kurz-Duell – 11:9 – 2:0 Satzführung. Der dritte Satz war dann der mutmaßlich beste Satz, den Henne und Timo bisher zusammen gespielt haben. Was die Gegner Zakharov/Tresselt auch machten, es folgte beinahe immer ein krachend eingeschossener Ball auf ihrer Tischhälfte. Flip – Topspin – Schuss – alles schien durchzulaufen. 11:2 und damit 3:0 im Entscheidungsdoppel. 8:8 Endstand. Erleichterung und Freude machten sich breit. Großer Kampf von beiden Mannschaften, eine wirklich starke Leistung der Erfurter Mannschaft und schon etwas Glück auf unserer Seite. Unser einer Punkt Vorsprung hatte weiter bestand (glücklicher- und überraschenderweise nur bis zum Folgetag…). Auch wenn diesmal drei Spieler des Teams nicht im Einzel gepunktet haben, war es eine geschlossene Mannschaftsleistung, da wieder jeder jeden lauthals anfeuerte und jeder auf das Spiel brannte. Der Spielbericht zum Folgetag und dem Spiel gegen Magdeburg folgt am….. Folgetag, also hoffentlich morgen.

Zum Abschluss noch aus aktuellem Anlass ein Auszug aus dem Regelwerk:

„Gemäß dem Handbook for Match Officials ist es zulässig, dass ein Spieler auch außerhalb der erlaubten Handtuchpausen zum Handtuch geht, wenn das Spiel angehalten ist (z.B. wenn der Ball die Box verlassen hat), und wenn durch das Abtrocknen die entstandene Pause nicht verlängert wird.“ (Regelauslegungen für den Bereich des DTTB, August 2017, Seite 14)

Grexter